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Geht das nicht alles mit KI (AI), kostenlos?

Jaein. Ich werde hier keine Abhandlung dazu halten, was man heute effektheischerisch als "KI" bezeichnet. Erlauben Sie mir eine starke Vereinfachung: In den 1990ern und 2000ern hatten wir Wortvervollständigung und simple Grammatik-Prüfer, die aus dem eingegebenen Text und einer Datenbank die wahrscheinlichste Fortsetzung oder Kommasetzung oder ... ableiteten. Dasselbe in "viel mehr groß und badabumm" ist die heutige selbst-ernannte "KI". Statistik mit etwas Programmierung drumrum.

Mini-Abhanldung. Trotzdem

Sie haben sich schon gehört, dass KI "nichts versteht". Das ist der entscheidende Punkt: Genau wie eine datenbankgestützte Vervollständigung/Korrektur nichts verstehen muss, "versteht" KI immer noch nichts vom Inhalt, den sie bearbeitet. Sie erweckt heute den Eindruck von Verständnis, weil die Datenbanken unfassbar groß geworden sind und daher ganze "Gedankengänge" vorhergesagt werden können.
Gute Texte, ich hoffe, dass wir uns da einigen können, erfordern aber ein (tatsächliches) Verstehen und Durchdenken. Das Schöne beim Schreiben ist, dass es uns (Menschen) sogar dabei helfen kann, ein Thema BESSER zu durchdenken und möglicherweise überhaupt erst zu erfassen: Der beste Lehrer kann nach einer Unterrichtsstunde sagen, was er Neues gelernt hat. Genauso kann Schreiben funktionieren: Indem man etwas "verdaulich runterbricht", kann man es verstehen lernen. KI kann das nicht. KI lernt auch nicht (wirklich) aus eigenen Irrwegen. Das macht den fortgesetzten Umgang mit KI oft ermüdend, demotivierend und kontraproduktiv!

Der Ja-Teil

Ja, KI (AI) kann beim Schreiben helfen: Eben dank der riesigen Datenbank (den Modellen, die auf gewaltigen Trainingsdaten aufbauen) kann moderne KI (Tipp-)Fehler korrigieren, Grammatik in Ordnung bringen, Zusammenhänge "zurechtzupfen" (auf Basis auch komplexerer Beispieltexte). Und weil die Modelle auch Fachtexte "gelernt" haben, kann KI in gewissem Rahmen auch Fach-Fehler aufspüren oder manchmal zumindest gute Fragen formulieren. Als ein Arbeitsmittel, als Hilfe, die man bewusst und kritisch einsetzt, kann KI sehr produktiv sein.
KI kann aus vorgegebenen Gerüsten und Ideen, wieder basierend auf dem, was sie "gelernt" hat, Texte entwickeln, auch lange Texte schreiben.
KI kann Texte schreiben. KI kann aus Vorgaben Gerüste entwickeln, als Sparrings-Partner Fragen stellen, Anregungen geben. Aber nicht verstehen.

Der Nein-Teil

KI Modelle sind meistens überwiegend mit englischem oder chinesischem Material "gefüttert" worden, daher sind die Systeme in diesem Sprachen am sichersten. Zum Trainingsmaterial wird neben Büchern auch das Internet genutzt. Und ... ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie unfassbar schlecht das Deutsch vieler ("deutschsprachiger") Internet-Nutzerinnen und Nutzerchen ist? Auch und gerade das von selbsternannten Patrioten ... innen ... dingens. Schlechtes Deutsch ist, im Verhältnis zum doch in der breiten Masse etwas saubereren Englisch, in den Trainingsdaten über-repräsentiert und selbst große KI-Modelle machen heute schon dumme Fehler beim Versuch deutsche Texte zu verfassen. Tippfehler, Satzfehler, Semantik - das ganze Programm. Auch als Korrektur-Hilfe ist KI daher nur mit anschließender Prüfung sinnvoll einsetzbar - und, siehe oben, Fachtexte gehören, verdammt nochmal, in die Hände von Fachleuten.
Soviel zum Verständnis. Aber auch als "Sparrings-Partner", als "Brainstorm-Hilfe" hat KI handfeste Nachteile: sie tendiert dazu, wegen Wahrscheinlichkeiten und Programmierung, in Kreisen zu denken, sich quasi selbst auf ein bestimmtes Ergebnis "festzuzurren". Manche Modelle sind anbieterseitig in ihren Ausgaben eingeschränkt, andere bewusst "weniger kreativ" programmiert (Programmierer-Modelle sind die lukrativsten, brauchen aber wenig Kreativität).
Auch der Zufallsfaktor, der in der KI natürlich eine Rolle spielt, kann zwar Kreativität "triggern". Das Zusammenspiel mit "ich kann nur zusammensetzen, was ich gelernt habe, ich kann nicht mit Verstand experimentieren" führt aber meistens zu sehr schnell sich einengenden "Standard-Floskeln".
Beim Schreiben kann man (so wie ich hier gerade) in den "Flow" kommen, "den Vibe finden", immer noch Neues entdecken. KI kann das nicht. Irgendwann verrennt sie sich in eine Schleife von Abhängigkeiten. Unsere Lebenserfahrung erlaubt uns "kontrollierte Unkontrolliertheit" (frei nach Robin Williams), unsere Emotionen geben uns Leitplanken, innerhalb derer wir "frei drehen" können und trotzdem unser Ziel finden. KI kann das nicht.
Zu guter Letzt: Ich deute auf diesen Seiten mehrfach an, dass Schreiben nicht per se "der Weg zum Reichtum" ist. Schreiben hat menschliche, kommunikative Seiten, man kann sich Probleme "rausschreiben", man kann mit Schreiben zu klareren Gedanken kommen ... Spaß haben ... einfach nur so. Oder Leserinnen und Lesern etwas mitteilen, das weder in KI-Trainingsdaten (genau so) zu finden ist, noch besonders wahrscheinlich.

Noch nicht genug?

Wenn Sie das Thema ("Fach-Fehler") interessiert: Ich werde demnächst dazu meinen Sermon in Video-Form publizieren ...

Vorschlag: Nutzen Sie KI bewusst, bedenken Sie die grundsätzlichen (systembedingten) Schwächen, ziehen Sie Vorteile aus der Geschwindigkeit, dem umfassenden "Wissen" (ohne Verständnis, nur Daten!). Prüfen Sie die Antworten - und achten Sie darauf, dass Schrift-Deutsch eben nicht "Amtsdeutsch" (Trainingsdaten), "Internet-Blabla" (Trainingsdaten) oder Mitschriften von Youtube-Videos (Trainingsdaten) ist. Ich helfe Ihnen gerne dabei, Ihren eigenen Stil zu finden oder zu entwickeln, ich helfe gerne dabei, KI produktiv einzusetzen - oder kritisch zu hinterfragen. Ich bin überzeugt davon, dass KI (einfallsreiche) Autorinnen und Autoren nicht ersetzen kann (Massenproduzentinnen sicherlich schon) und niemals in der Lage sein wird, Memoiren, Erfahrungsschätze oder Kochbücher (mit selbst ausprobierten Rezepten!) zu schreiben.

Fragen dazu? Am besten besprechen wir das im persönlichen Gespräch.

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